1997 Verkehrskreisel-Brunnen, Uster

Bauherrschaft: Stadt Uster
Auftragsart: Direktauftrag
Generalplanung und Architektur:
Oliver Schwarz Architekten, Oliver Schwarz
Leistungen: Planung und Ausführung
Anlagekosten: CHF 500'000

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Von Wasserspielen und Bühnenbildern

Das Zürcher Architekturbüro Oliver Schwarz schuf für Uster miteinander vernetzte Fixpunkte. Ein Überblick über vier Interventionen im öffentlichen Raum.

Eine runde Sache: Mehr als 2000 Verkehrskreisel gibt es nach einer Schätzung des Instituts für Verkehrsplanung und Transportsystem in der Schweiz. Ein Kreisel beruhigt den Verkehr, macht ihn sicherer und reduziert Lärm- und Abgasimmissionen. Nur: Schön ist diese Verkehreinrichtung nur selten. Seit der Verkehrskreisel in der Schweiz 1985 erstmals auftauchte und dann die Schweiz überrollte, treibt er merkwürdige Blüten: Mal recken sich einem in der Mitte dieses Kreuzwegs Dinosaurier entgegen, mal Hühner aus Draht, mal schrauben sich abstrakte Betonskulpturen in die Höhe.

Dass es auch anders geht, beweist Uster. Nur wenige KeineVerkehrsampeln sind in der drittgrössten Stadt im Kanton Zürich zu finden. Stattdessen regeln derart viele Kreisel den Verkehr, dass Uster auch als „Kreiselstadt“ bekannt wurde. Einer der sehenswertesten Kreisel ist ein Wasserspiel, das seit 1997 die Strassenkreuzung Zürich-, Post- und Seestrasse schmückt. Gestaltet wurde der Kreisel vom Zürcher Architekturbüro Oliver Schwarz. Ziel war es, die Achse, die vom Bahnhof auf die Kreuzung trifft, mit der des Stadtparks zu verbinden. „Wir wollten dabei unbedingt Objektkunst vermeiden“, sagt Oliver Schwarz, seit 1990 Mitglied der Stadtbildkommission Uster.

Die Zürcher Architekten entwarfen deshalb ein Konzept, das für diese Schlüsselstelle des städtischen Verkehrs ein Wasserspiel in der Mitte vorsah. Die Verkehrsführung wurde von vier sechs auf zwei Spuren reduzierte und Mittelstreifen sowie Seitenkanten begrünt mit Bäumen bepflanzt. Die neue Verkehrsführung gründet auf der Koexistenzidee: Nicht nur Velos, Trotinette, Autos, Lastwagen sollen gleich langsam in den Kreisel einfahren, auch die Fussgänger werden mit Fussgängerstreifen in ihr Recht gesetzt. Da einer der Schweizer Routen für Schwertransporter durch den Kreisel führt, galt es, selbst bei engen Platzverhältnissen dafür zu sorgen, dass die LKWs den Kreisel passieren können. „Ein gordischer Knoten“, erinnert sich Schwarz. Die Lösung: Die Wasseranlage wurde so konstruiert, dass der Bauch der Schwertransporter über das Wasserbassin fahren konnte.

Zwei Jahre später entstand ein weiterer Kreisel, der den Raum selbst zum Thema macht. Die Kreuzung von Winterthurer-, Berchtold- und Gerichtsstrasse, ein leistungsfähiger Verkehrsknotenpunkt der Stadt, regelt seit 1999 der Kreisel „Schlüssel“. Bambuskreisel. Das amöbenhafte Gebilde aus Pflastersteinen gliedern im Kreiselinneren immergrüne, pflegeleichte Bambusbüsche. Die Bepflanzung gehorcht dabei einem geometrischen Raster. „Dadurch entsteht ein Moirée-Effekt beim Passieren des Kreisels“, sagt Schwarz. Nachts sind die Büsche von unten beleuchtet und geben dem Platz eine fast unwirkliche Leichtigkeit.

Ebenfalls 1999 wurde der Bahnhofplatz neu gestaltet. Auch hier setzten die Architekten die Idee der Koexistenz an oberste Stelle: Die Fläche des Platzes unterliegt dem demokratischen Prinzip. Autofahrer, Fussgänger und andere Verkehrsteilnehmer werden gleich behandelt. So entstand eine breite Fläche für Fussgänger mit zahlreichen Bänken, die mit Bäumen gesäumten Kurzparkplätze sind breiter als üblich, so dass der Verkehrsfluss beim Einparkieren nicht gestört wird. Vor das Bahnhofsgebäude wurden zwei Fontänenbrunnen gesetzt. „Der Greifensee und die Kanäle prägen Uster “, sagt Oliver Schwarz, „diese Verbindung zum Wasser nehmen die beiden Brunnen auf“. Gleichzeitig verweisen die rudimentären Betonkuben aber auch auf das Wasserspiel des Kreisels der Strassenkreuzung Zürich-, Post- und Seestrasse.

Alles soll vernetzt sein. „Uns schwebte die barocke Idee der Fixpunkte, aber auch die Haussmannsche Idee der Schlüsselstellen vor“, erklärt Schwarz. Von der konsequenten Fortsetzung des Gedankens von der Vernetzung des öffentlichen Raums zeugt ein viertes Projekt: Gemeinsam mit den Garten- und Landschaftsarchitekten ryffel + ryffel aus Uster entwarfen Oliver Schwarz Architekten den 2001 eingeweihten Quartierpark Hohfuren im Westen von Uster. Das neu entwickelte Gebiet zwischen Sonnenberg- und Wilstrasse sollte das Netz grüner Oasen ergänzen. Das Besondere daran: Die Bebauung folgte streng dem Plan des Parks. Ein grosszügig ausgestalteter Quartierpark sowie eine markant ausgebaute Fuss- und Radwegverbindung zum Stadtpark und ins Naherholungsgebiet am Greifensee wurden dabei zu prägenden Gestaltungselementen.

Ein Ort der Gemeinschaft für das Neubaugebiet schwebte den Architekten vor. Die Lösung war ein Pavillon. Der Stahlbau erscheint wie eine Bühne: Ein nach allen Seiten offener Quader besteht aus Decke und Boden, der von 3,20 Meter hohen Säulen getragen wird. Die Stützen sind dabei so ausgerichtet, dass sich das Gebäude je nach Blickwinkel des Betrachters aufzulösen scheint. „Die Pavillonstruktur dient als räumlicher Bilderrahmen“, erklärt Oliver Schwarz. Der Bau sollte aber nicht nur Belvedere, sondern auch Festzelt und Gebrauchsobjekt sein. Der Wunsch der Architekten ging auf: Der Pavillon wird nicht nur von den Quartierbewohnern rege gebraucht, er dient auch schon mal als Kulisse für Werbeaufnahmen.

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