2015 Mineralquelle Eglisau, Arealentwicklung

Auftraggeber/Bauherrschaft: L+B AG HGV, Winterthur
in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Eglisau
Architektur/Städtebau: OSMB Architekten AG, Zürich
in Zusammenarbeit mit Mettler Landschaftsarchitekten, Gossau SG
Auftragsart: Studienauftrag 1. Preis 2015
Leistungen: Ausarbeitung Sondernutzungsplan 2015– 2018

262
268
267
266

Vertretung Bauherrschaft: SIBE, Häuslenen
Raumplanung: Sutter von Kännel Wild AG, Zürich
Anpassung Zonenplan: suisseplan Ingenieure AG, Zürich

Text aus der Wettbewerbsabgabe

Städtebau
Der Böschungswald zum Rhein, die Eisenbahnlinie und der auslaufende Siedlungskörper definieren die Randbereiche des Planungsperimeters. Das Herzstück im Bebauungskontext ist die bestehende Industrieanlage. Im Süden und Westen durch die Linienführung der Eisenbahn begrenzt, liegen im Norden und Osten lateral zur Industriebebauung die freien Baufelder für die Neubauten.

Weiterlesen...

Als Nahtstellen zwischen Bestehend und Neu werden gut umfasste Freiräume geschaffen. Sie sind die stadträumlichen Identifikationsmerkmale des neuen Quartiers 'Mineralquelle' in Eglisau.
Volumetrisch beziehen sich die horizontal strukturierten Baufelder Nord und Ost mit ihren 4-geschossigen Baukörpern auf die Höhenentwicklung der bestehenden Hallenarchitektur. Die vertikal proportionierten Gebäude an der Bahnlinie nehmen Bezug auf die Höhen der ehemals der Industrieanlage angelagerten Bauten des Hochregallagers und der Silos.

Die Südfassade des Baufeldes Ost und die Industrieanlage bilden entlang der Rheinfelderstrasse einen Eingangsraum zu Eglisau. Die im Erdgeschoss liegenden Atelier-Gewerberäume unterstreichen den gewerblichen Charakter des Quartiers. Die von der Durchgangsstrasse separat geführten Vorfahrten ermöglichen einen lebendigen Mischverkehr im Nahbereich der Gebäude. Die durchgehenden Grundrisse der Neubauten verbinden den Binnenraum mit dem attraktiven Grünraum entlang dem Rhein. Die Westfassade den Baufeldes West umreisst den MIV freien Aussenraum der Quelle. Die U-förmige Wohnanlage öffnet sich zum angrenzenden Wohnquartier. Die Gärten in der Mitte stehen den Bewohnern zur Verfügung. Die verkehrsfreie Umgebung ist auch sehr geeignet für den Aufenthalt von Kleinkindern.

In die räumlich gefassten Freiräume zwischen dem Bahndamm und dem bestehenden Hallenbau werden zwei neue Einzelbauten errichtet. Im Erdgeschoss des Gebäudes Süd befinden sich die Kinderhorte und Gewerbe-/Atelierräume. Im Erdgeschoss des Gebäudes West profitiert eine Grosswohnung vom angrenzenden Freiraum. Der 50 Meterabstand zum SBB Bahngleis für Sondertransporte wird eingehalten.

Die südlich vom Baufeld Ost gelegene Schulanlage wird als Fortsetzung des kinderfreundlichen Ambientes verstanden. Die Freiräume der Schule liegen im Abstandsbereich zu den Gleisen der Bahn. Als zwei solitäre Bauten ergänzen die Gebäudevolumen optional das Gesamtensemble der Überbauung 'Mineralquelle' Eglisau.

Mit der wirtschaftlichen, ökologischen Bauweise und dem vielfältigen Angebot an Wohn- und Gewerbeflächen ist der Grundstein für eine gute soziale Durchmischung gelegt.

Bei den Neubauten handelt es sich vorwiegend um Wohnbauten. Die Erdgeschosse ermöglichen je nach Bedarf eine gewerbeorientierte Wohnform. Das Spektrum umfasst Wohnen, Wohnateliers, Büros, handwerkliche und grafische Betriebe, Spitex, Kleinläden oder Gemeinschaftsräume.
Die Mehrzahl der Wohnungen verfügen über durchgehende Wohn-/Essbereiche und Individualzimmer auf beiden Gebäudeseiten. Dies ermöglicht zweiseitige Ausblicke, gute Besonnung und Wohnflexibilität bei Lärmimmissionen.

Im bestehenden Bürotrakt Ost befindet sich im Untergeschoss und Erdgeschoss der Kindergarten.

Grosszügige, gut vernetzte und klar umgrenzte öffentliche Freiräume ermöglichen soziale Kontakte in einem neutralen Umfeld. Grünräume, Spielplätze, Sportplätze, Fusswege und Fahrstrassen unterstützen spontane Begegnungen. Die den Wohnungen zugeordneten privaten Aussenräume sind abgegrenzt. Je nach Nutzung der Erdgeschosse können die Begrenzungen den Bedürfnissen entsprechend gestaltet werden.
Die kompakten Baukörper sind eine gute Ausgangslage zur Energieeffizienz. Die einfach zugeschnittenen Dachflächen ermöglichen die Installation einer leistungsfähigen Photovoltaikanlage.
Die Baufelder ermöglichen eine Etappierung in ca. 90 EH im Norden, ca. 80 EH im Osten und ca. 60 EH im Süden und Westen.

Die klare horizontale Struktur der Bebauungen ermöglicht diverese Parzellierungsvarianten.

Landschaft

Die einmalige Lage am Rheinufer und die Geschichte der Mineralquelle werden im Freiraumkonzept aufgegriffen und prägen das neue Wohnquartier. Die Freiräume repräsentieren vier thematische Gestaltungen mit hohem Wiedererkennungswert.
Das neue Zentrum bildet ein grosszügiger Platz mit einem lockeren Hain aus Baum-Hasel (Corylus colurna), der thematisch auf der Rheinfeldstrasse weitergeführt wird. Sitzgelegenheiten mit einem markanten Brunnen, welcher mit Thurella-Quellwasser gespeisst wird, laden zum Verweilen ein. Eine offene Parklandschaft mit Baumgruppen aus Schwarz-Erle (Alnus glutinosa) stellt die Verbindung zwischen privaten, durch Hecken gefassten Aussenflächen und dem bewaldeten Rheinhang dar. Der süd-östliche Bereich an der Bahnlinie wird durch ein Baumraster aus Lärchen (Larix decidua) geprägt, welches in Kies- und Schotterflächen eingebettet ist. Dieses Raster lösst sich zum Zentrum hin für verschiedene Sport- und Bewegungsflächen auf. Grosse Walnussbäume (Juglans regia) stehen nord-östlich im gärtnerisch gestalteten, hofähnlichen Areal. Dieses beherbergt neben vielfältigen Spielangeboten einen Gemeinschaftsgarten, der den Anwohnern die Möglichkeit des Gärtnerns eröffnet. Die privaten Gärten im Erdgeschoss werden durch halbhohe Hecken gerahmt.
Sämtliche Verkehrsflächen und Wege sind aus grobkörnigem Asphalt, der im Bereich der Eingänge durch Ortbetonbelag unterbrochen wird. Die Baumhaine und die Bereiche vor den Erdgeschosswohnungen werden chaussiert. Die Belagswechsel führen einerseits zur Verlangsamung der Bewegung, andererseits markieren sie die Aufenthaltsflächen.
Die gewählten Pflanzen und Belagsmaterialien bilden eine gestalterische Einheit und sind sowohl attraktiv, als auch pflegeleicht und robust. Mit der Neugestaltung des Freiraumes wird für die Nutzerinnen und Nutzer eine Vielzahl von unterschiedlichen Aufenthaltsbereichen geschaffen.

©2019 OSMB Architekten AG, Impressum
top