1989 Kulturhaus Loge, Winterthur

Auftragsart: Direktauftrag
Bauherrschaft: Wohnbaugesellschaft Oberer Graben
Projektierung und Ausführungsplanung 1989
Projektentwicklung: Oliver Schwarz
Mitarbeit: Christine Sträuli-Türcké
Anlagekosten: CHF 7 Mio.

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Die neugothische Fassade des Kulturhauses LOGE am Oberen Graben in der Altstadt von Winterthur nach der Renovation.
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Blick vom Oberen Graben ins Restaurant mit Restaurant-Galerie.
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Das zweistöckige Restaurant mit Ausblick zum Oberen Graben.
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Massivholzmöbel, eigens für das Kulturhaus LOGE entworfen und produziert, v.l.n.r.: Sekretär für die Hotelzimmer, stapelbarer Hocker, Restauranttisch, Stuhl für überall.
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Grundriss Erdgeschoss mit Kino (links) und Restaurant (rechts).
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Längsschnitt durch das LOGE-Gebäude.
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Das zweigeschossige Theater im UG ist als modulierbarer Saal konzipiert.
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Beide Kinos sind in Schwarzweiss gestaltet.
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Die Hotelzimmer zum Oberen Graben sind in Framboise und Violett gestaltet.

Kulturhaus Loge in Winterthur

In Winterthur gibt es seit kurzem einen neuen Ort der Kultur, das sogenannte ‘Kulturhaus Loge‘ am Oberen Graben.
Auf einer schmalen Altstadtparzelle mit einem für Winterthur typischen Innenhof wurde versucht, ein enormes Raumprogramm zu verwirklichen. Hinter der neugothischen Fassade des alten Brinerhauses, Baujahr 1865, die als einzige vom alten Bau übernommen werden musste, befinden sich auf engstem Raum: ein Restaurant, ein Hotel, zwei Kinos und ein Theater mit dazugehörigen Foyers. Diese Vielfalt hat sich auch typografisch im Signetentwurf für das Kulturhaus niedergeschlagen.

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Anders als bei ähnlichen ‘Kulturhäusern‘, wie zum Beispiel beim ‘Teufelhof‘ in Basel oder beim ‚Nägelihof‘ in Zürich, befindet sich das ganze kulturelle Angebot kompakt zwischen zwei Brandmauern unter einem Dach. Im Erdgeschoss befindet sich zwischen dem zweigeschossigen Spitzbogentor das Restaurant mit Galerie mit total 70 Sitzplätzen. Der Eingang zum Restaurant ist rechts neben dem Spitzbogentor. Links davon befindet sich der Eingang zum Hotel, den Kinos und Theaterfoyers. Das Theater selber belegt das gesamte Untergeschossvolumen des Hinterhauses. Der Theaterraum is als ,salle modulable, konzipiert und weist eine maximale Belegung von 200 Plätzen auf. Die Kinos befinden sich über dem Theater im Erdgeschoss und im Zwischengeschoss; Kino 1 mit 102 Plätzen und Kino 2 mit 64 Plätzen. Vom Erdgeschoss führt ein separates Treppenhaus mit Personenlift zur Hotel-Lounge mit der Reception. Sie befindet sich direkt über dem Restaurant. Das Dreisternhotel bietet sieben Einzel- und neun Doppelzimmer an.
Zur architektonischen Ausgestaltung meinen die Architekten: ‘Die betriebliche und technische Komplexizität des Gebäudes wird mit einer klaren Architektur geordnet. Zwecks Reduktion der Bauteile üben fast alle architektonischen Elemente gleichzeitig mehrere Funktionen aus. Die damit erreichte Klarheit der einzelnen Räume wird durch den Verzicht auf rein dekorative Elemente verstärkt. Bei jedem Bauteil wurde die einfachste Form ausgearbeitet, damit die Komplexität der Raumbeziehungen nicht gestört wird. Mit der Auswahl der Baumaterialien wurde diese Zielsetzung weiter verfolgt. Die Einzelteile mussten sich im Gesamtkonzept einreihen. Auf Ornamente, Schraubenköpfe und Profilierungen wurde verzichtet, die Materialstruktur ersetzt die Dekoration.‘ (Zitat aus dem Baubeschrieb der Architekten).
Vergleicht man nun aber die im Baubeschrieb bezüglich stringenter Materialisierung formulierten Zielsetzungen der Autoren mit dem realisierten Bau, kommt man kaum umhin, einer gewollten Sinnlichkeit gewahr zu werden - spielen doch formale Zitate und eine gewisse Üppigkeit in der Materialkombination eine nicht zu unterschätzende Rolle: eine theatralische Atmosphäre, ein Restaurant als Bühne für Begegnungen. S.Z.

Aus Werk, Bauen + Wohnen, Ausgabe Nr. 5/1991

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