2011 Gemeindesaal Romanshorn

Bauherrschaft: Gemeinde Romanshorn
Auftragsart: Studienauftrag 1. Preis
Generalplanung und Architektur: Arge OS+MB Architekten,
Oliver Schwarz, Margreth Blumer
Leistungen: Vorprojekt
Anlagekosten: CHF 15 Mio

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Fachplaner:

Ingenieur und Hochbau: ABT
Haustechnik: OLOS
Elektroingenieur: R + B
Landschaftsarchitektur: Zschokke + Gloor
Bühnenplanung: Nerlich
Lichtplanung: Reflexion AG
Bauberatung und Bauökonomie:
CT, Christoph Tschannen

Städtebau

Das Areal des neuen Gemeindesaals liegt auf dem ehemaligen Gleisfeld des alten Güterschuppens der SBB. Die Grundform der Parzelle ist auf diese historische Nutzung zurückzuführen. Die östlich und westlich der Bahnlinie liegenden Parzellen bilden gemeinsam eine kontinuierliche Fläche, die trotz des Gleistrassees als durchgehende Stadtebene empfunden wird. Die Gebäude entlang der Bankstrasse bilden den räumlichen Abschluss des Stadtkörpers.

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Das neue Gebäude des Gemeindesaals besetzt als Solitär das ebene Baufeld zwischen der Stadtfront und dem Hafenbecken. Sein Volumen schafft mit der bestehenden Stadtstruktur zusammen einen grosszügigen Freiraum, der die umliegenden Stadtteile miteinander in Beziehung bringt.

Entsprechend der besonderen Attraktivität der Hafenfront sind die Publikumseingänge an der Wasserseite situiert. Die Zuliefererschliessung und die Zufahrt zum Parkhaus erfolgt über die Bankstrasse. Die südliche Aussenfläche wird zum Freiraumfoyer. Die grossen Saalfenster orientieren sich nach Westen hin zur Stadt.

Aussenraum

Das markante Hafenbecken wird als konstituierende Geometrie in die Freiraumgestaltung übernommen, bleibt in seiner Form und Materialität aber unangetastet.
Der Baukörper des Gemeindesaales wird beidseits von mächtigen Hängeweiden in Kiesflächen gesäumt, welche den Neubau gleich einem Bühnenvorhang einfassen. Eine einfach gehaltene Vorzone zum Hafenbecken hin führt am Aussenbereich des Restaurants vorbei zu den Eingängen. Dieser Bereich vermittelt durch seine Geometrie zur Stadt, verweist durch den Verlauf der Belagsabgrenzungen auf die historische Nutzung und die radialen Sitzelemente auf den See.
Eine grossräumige Fusswegbeleuchtung verbindet den Bahnhof mit dem seeseitigen Stadtbereichen und weist den Weg zur erhöht gelegenen Kirche. Das Licht der abgeblendeten Kandelaber fällt auf den Boden. Das Bauwerk selbst erscheint nachts als leuchtende Skulptur.

Architektur

Der zweigeschossige Baukörper aus weissem Beton öffnet seine Erdgeschossfassade zum Wasser und zum Aussenfoyer. Die übrigen Fensteröffnungen sind grossformatige Lochfenster. Entlang seinen winkelfömig gewölbten Fassaden wird das Gebäude vom Aussenraum sanft umflossen.

Die Repräsentation des Gebäudes entsteht durch die volumetrische Zrückhaltung. Die Gelassenheit der Architektur unterstreicht die Qualität des Standortes am See mit seinen vielen Segelbooten und dem maritimen Charakter des Schiffverkehrs.

Konzeption

Der Saal- und der Restaurantbetrieb liegen auf einer Ebene. Zentral angeordnet sind die Serviceräume wie die Küche und das Saaloffice. Im Obergeschoss befinden sich die Konferenzräume und die Dachterasse.

Dem Restaurant- und dem Saalbetrieb sind separate Aussenbereiche zugeordnet. Das Saalfoyer verfügt über einen ebenerdigen Aussenraum im südlichen Perimeterbereich. Das Restaurant und die Bar haben einen Vorbereich zur Hafenpromenade. Die Dachterasse mit herrlicher Aussicht über das Hafenbecken und den Bodensee ist ein attraktiver Aussenraum für spezielle Anlässe wie Essen für Gesellschaften, Events, Pausenbuffet für den Saalbetrieb usw.

Die Schuhschachtelform des Saales ergibt eine hohe Nutzungsflexibilität und gute raumakustische Voraussetzungen. Die Innenverkleidung des Saales optimiert die akustischen Eigenschaften. Die Verdunklungselemente aus drehbaren Wandlamellen ermöglichen die Umwandlung des Saales in einen Black box.

Die Beleuchtung des Saales erfolgt über höhenverstellbare Pendelleuchten. Bei Projektionen oder Theatervorstellungen sind sie hochgezogen; bei Banketten verbreiten sie die festliche Stimmung vom im Raum hängenden Kronleuchtern. Durch die ebenerdige Anordnung der Saal- und Foyerebene sind rasche und bequeme Auf- und Abbbauzeiten für die unterschiedlichen Veranstaltungen möglich.
Durch die zentrale Anordnung der Serviceräume sind betriebliche Synergien zwischen Restaurant- und Saalbetrieb möglich. Die Betriebskosten können optimiert werden, da mit wenig Personal der Gesamtbetrieb aufrechterhalten werden kann.

Raumakustik

Der Saal ist von seiner akustischen Ausrichtung her geeignet um alle die gewünschten Verwendungszwecke abzudecken. Die Kubatur entspricht nahezu einem akustischen Idealfall und kann mittels variabler Oberflächen raumakustisch den Wünschen der Veranstalter angepasst werden. 

Von den genannten Veranstaltungen wie Vereinsanlässe, Gemeindeversammlungen, Ausstellungen, Bankette, Vorträge, Konzerte, Theater, GVs, usw. sind nur die Konzerte mit einer etwas längeren Nachhallzeit gewünscht. Es ist möglich, eine flexible Nachhallzeit durch die Veränderbarkeit der Oberflächenabsorption zu erreichen (z.B. drehbare Verdunklungs- oder Deckenlamellen, die auf der einen Seite glatt und auf der anderen Seite absorbierend sind).

Mittels ODEON, einem dreidimensionalen Raumakustikprogramm, kann der Raum in der Planungsphase virtuell simuliert werden, das heisst der Benutzer kann den Raum bereits vor der Realisierung akustisch hören und seine Wünsche präzisieren. Margreth Blumer

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